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Aleho Ukulele Sattel richtig einstellen

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FlexiCat:
Moin Forum,
lange Zeit war ich nicht mehr aktiv hier und etwa genauso lange liegt hier meine defekte Aleho Ukulele herum, mit der ich folgendes Problem habe:
Die Saiten fingen an zu schnarren und ich habe einen neuen Sattel gebastelt und nun habe ich das Problem, dass ich es nicht schaffe diesen auf die richtige Höhe zu bringen, bzw. die richtige Stimmung des Instruments einzustellen. Wenn das Instument gestimmt ist und ich einen Ton greife, ist dieser zu hoch. Schleife ich den Sattel herunter, berühren die Saiten das Griffbrett und die gegriffenen Töne sind immer noch zu hoch und die leere Saite schnarrt dann auch wieder. Habe ich hier einen Denkfehler, kann ich an anderer Stelle etwas verändern oder ist das Instrument eine Fehlkonstruktion? War ein billiges Ding, hat ca. 50€ gekostet und ich habe noch andere bessere Ukulelen. Da sie aber eigentlich einen schönen Klang hat, würde ich ihr gern noch eine Chance geben.
Habt ihr noch Ideen, was ich machen kann, oder was ich falsch mache?
Herzlichen Gruß
Stella

crianlarich:
Hallo Stella,
Sattel niedriger: Intonation sollte sich verbessert haben. Mögliche Fehlerquelle: die Saite liegt nicht genau beim Übergang Sattel/Griffbrett auf. Das ist sehr empfindlich und auch Ausgangspunkt für einen Schummeltrick bei schlecht gebauten Instrumenten: Man feile etwas vom Griffbrett weg, so dass sich die Distanz vom Sattel zum ersten Bund verringert, und die gesamte Intonation verbessert sich, die gegriffenen Töne werden niedriger.
Ich hatte es tatsächlich versucht bei meinem ersten Restaurierungsobjekt der Ukulelen. Nun ja, es war eine der berüchtigten Voggenreiter-Schachteln. Der erste Bund war dann kürzer als der zweite und ich war immer noch nicht angekommen. So falsch war der Steg aufgeleimt. Für die Tonne.
hoffe, ich konnte helfen,
Rainer

Bugle:
Also, ich versuche mal zu beschreiben in welcher Reihenfolge ich was und wie bei meinen Ukulelen einstelle. Vielleicht hilft Dir das bei Deinem Problem.

1. Ich fertige einen (für die Nut am Kopf) passgenauen Sattel, setze diesen ein und markiere mit einem "halben" Bleistift die Höhe der Bundstäbchen an der zum Griffbrett gerichteten Sattelseite.
2. Ich markiere die Position der Saitenschlitze und bringe diese ein - bis kurz vor die Markierung an der Sattelseite.
3. Wichtig: Die Sattelschlitze nicht parallel zum Griffbrett einbringen sonder parallel zum Verlauf der Kopfplatte. Nur dann läuft die Saite sauber über den Sattel zur Mechanik und es schnarrt nichts.
4. Sattel einbauen, Saiten drauf, Saitenlage prüfen und ggf. vorsichtig tiefersetzen. Zu hoch - der Ton wird durch die Saitenspannung verfälscht; zu niedrig - es schnarrt wieder.
5. Hauptverantwortlich für die korrekte Intonation ist im Wesentlichen aber die Position des Steges, somit der Stegeinlage und deren evtl. nötige Kompensation verantwortlich. Wenn Deine Uke nach korrekter Einstellung der Saitenlage am Sattel immer noch nicht bundrein klingt, würde ich das eigentliche Problem an der Stegeinlage vermuten und diese ggf. nacharbeiten.

Solltest Du in WW am Start sein, bring die Ukulele mit und ich schau sie mir an. Wenn nicht - nur Mut; das wird schon.

Edit: "Halber Bleistift" meint den Bleistift der Länge nach halbieren und nicht in der Mitte durchschneiden. 8)

FlexiCat:
Hallo und vielen Dank für Eure Antworten.
@Rainer: habe schon befürchtet, dass das Instrument unsauber verarbeitet wurde, aber ehe ich es in die Tonne werfe, bin ich bereit, es komplett kaputt zu basteln :D
Wenn also alles nichts hilft, müsste ich den Steg in Richtung Sattel versetzen?
Die Saitenlage war beim Kauf schon sehr niedrig, daher hat auch eine Saite recht schnell angefangen zu schnarren. Meine mich auch noch zu erinnern, dass das Stimmen immer etwas schwierig war.

@Bugle:
Danke, dass sind sehr präzise Tipps, die ich nochmal ausprobieren werde. Den 3. Punkt habe ich definitiv schon mal falsch gemacht. Vielleicht bringt das noch was.

Ich komme mit dem Sattel nicht tief genug, um eine (einigermaßen) korrekte Intonation hinzukriegen. Die gegriffenen Töne sind hörbar (und auch messbar) zu hoch.

Ich habe den Sattel aus Ebenholz ausgesägt und zurechtgefeilt. Holz ist noch genug vorhanden, ich kann also noch ein paar Sättel vermurksen. Leider habe ich den original-Sattel verloren, so dass ich kein Vergleichsstück da habe.

Was müsste ich am Steg verändern, um das Problem zu beheben, falls alles andere nicht hilft? Bin auch bereit, den Steg notfalls zu versetzen, auch wenn es dann nicht schön aussieht. Besser als wegwerfen wäre das allemal.
Bin leider nicht in WW, ich wohne in Hamburg und bin auch nicht sehr mobil.

Auf jeden Fall herzlichen Dank an Euch beide, dass ihr Euch meines Problems angenommen habt. Weitere Tipps sind sehr willkommen.
Viele Grüße
Stella

Bugle:

--- Zitat von: FlexiCat am 05/22/22 ,Mai, 2022, 15:01:11 ---...
Ich komme mit dem Sattel nicht tief genug, um eine (einigermaßen) korrekte Intonation hinzukriegen. Die gegriffenen Töne sind hörbar (und auch messbar) zu hoch.

Ich habe den Sattel aus Ebenholz ausgesägt und zurechtgefeilt. Holz ist noch genug vorhanden, ich kann also noch ein paar Sättel vermurksen. Leider habe ich den original-Sattel verloren, so dass ich kein Vergleichsstück da habe.

Was müsste ich am Steg verändern, um das Problem zu beheben, falls alles andere nicht hilft? Bin auch bereit, den Steg notfalls zu versetzen, auch wenn es dann nicht schön aussieht. Besser als wegwerfen wäre das allemal.
...

--- Ende Zitat ---

Nochmal, der Sattel ist nicht hauptsächlich dafür verantwortlich, dass die Intonation stimmt. Auf dem Sattel werden die Saiten zum Kopf geführt und die Tiefe der Sattelschlitze kann dem Spielgefühl des Spielers entsprechend angepasst werden. Ich habe eine Kundin, die im ersten Bund eine "unmenschlich" hohe Saitenlage bevorzugt, weil sie dann "das Instrument besser spürt". Nichtdestotrotz ist ihre Bugle-Ukulele komplett bundrein und intoniert perfekt.

Hauptverantwortlich für die Intonation / Bundreinheit ist die korrekte Positionierung des Steges auf dem Korpus. Wenn der Steg richtig steht, kann über die Stegeinlage jede Saite quasi feinjustiert werden. Bei meinen Instrumenten verbaue ich eine 3mm starke Knochenstegeinlage, die ich bei Bedarf im Saitenauflagebereich schräg schleife. Ist die Schräge nach hinten (Korpusende) gerichtet wird die Mensur ein bisschen länger und der gegriffene Ton klingt etwas tiefer. Ist die Schräge zum Kopf gerichtet wird der gegriffene Ton etwas höher, weil die Mensur minimal kürzer wird.

Ich empfehle zu dem Thema mal bei Youtube die Suchbegriffe Kompensation, Saitenlage, Ukulele oder Gitarre einzugeben. Da gibt es haufenweise Videos zu. 

Wenn also deine Uke mit einem neuen Sattel, der deinem Spielgefühl entspricht, nicht richtig intonoiert, mach nicht noch mehr Sättel sondern richte deine Aufmerksamkeit mal auf die Stegeinlage.

Edit: Alternative englische Suchbegriffe: compensation, action, compensated ukulele saddle, ...

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