Bericht über Iso Herquist in Frankfurter Rundschau

Begonnen von Papierschiff, Gestern um 09:26:02

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Papierschiff


Bebopalula

Ein interessanter und auch etwas nachdenklich machender Artikel. Insbesondere die Frage, warum man noch ein Instrument lernen soll, wenn alles digital verfügbar ist.

Ich meine, dass es gerade deshalb Sinn macht, selbst ein Instrument zu lernen – zum Beispiel die Ukulele. Denn Musik ist ja mehr als Konsum und Ukulele spielen heißt für mich: zusammenkommen statt scrollen, gemeinsam klingen statt allein streamen. Mit Lachen, Ausprobieren, Fehler machen und trotzdem weiterspielen entsteht Geselligkeit – da braucht es keinen Bildschirm. Die schönen Gruppenbeiträge im Adventskalender haben gut gezeigt, dass es geht. Deshalb ist handgemachte Musik für mich kein Anachronismus, sondern ein Gegenpol zur digitalen Dauerbeschallung. Vielleicht ist Musik machen heute nicht weniger sinnvoll – sondern wichtiger denn je.
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https://www.youtube.com/user/BebopalulaUke/videos

Isolde H.

Zitat von: Bebopalula am Gestern um 17:35:14Denn Musik ist ja mehr als Konsum und Ukulele spielen heißt für mich: zusammenkommen statt scrollen, gemeinsam klingen statt allein streamen. Mit Lachen, Ausprobieren, Fehler machen und trotzdem weiterspielen entsteht Geselligkeit – da braucht es keinen Bildschirm.


Ich hätte es nicht besser sagen können.
Falsche Töne ärgern mich kurz, aber der Spaß ist wichtiger. 

Netsuke

@Bebopalula

ZitatIch meine, dass es gerade deshalb Sinn macht, selbst ein Instrument zu lernen – zum Beispiel die Ukulele. Denn Musik ist ja mehr als Konsum und Ukulele spielen heißt für mich: zusammenkommen statt scrollen, gemeinsam klingen statt allein streamen. Mit Lachen, Ausprobieren, Fehler machen und trotzdem weiterspielen entsteht Geselligkeit – da braucht es keinen Bildschirm. Die schönen Gruppenbeiträge im Adventskalender haben gut gezeigt, dass es geht. Deshalb ist handgemachte Musik für mich kein Anachronismus, sondern ein Gegenpol zur digitalen Dauerbeschallung. Vielleicht ist Musik machen heute nicht weniger sinnvoll – sondern wichtiger denn je.


Ohne Fazit und ohne Bewertung meine eigene Geschichte dazu:

In der bayrischen Provinz, in der ich aufgewachsen bin, war Musik fester Bestandteil des Gemeinschaftslebens.

Mann war Mitglied in der Blaskapelle. Frau sang im Kirchenchor.

Junge Revoluzzer brachten sich selbst das Gitarrespielen bei und gründeten Metal- und Rockbands.

Elaborierte Musikbesessene machten in Jazz.

Ab Mittelstand aufwärts gingen fast alle Kinder zur Musikschule oder bekamen Privatunterricht, um ein Instrument zu lernen.

So wurde auch ich von meiner Mutter dazu verdonnert. Ich durfte mir lediglich aussuchen, welches Instrument es sein sollte.

Ich hatte und habe keine Beziehung zu Musik, lernte aber fleißig und willig ein halbes Dutzend Jahre lang Akkordeon.

Im Hinterzimmer des lokalen Musikalienhandels gab die ehemalige internationale Bühnenkünstlerin Frau Degen Akkordeonunterricht. Während ihr Lebensgefährte vorne das Musikgeschäft führte.

Der Status des unverheirateten Zusammenlebens, und dass Frau Degen sich im überreifen Alter von Ende vierzig kräftig schminkte, galt als anrüchig. Deshalb lernten in unserem Städtchen nur wenige Kinder Akkordeon.

Ich war ziemlich gut auf dem Instrument. Ich beherrschte Tangos und Musette-Walzer.

Aber ich kam nie auf die Idee, mich anderen Musikern anzuschließen und öffentlich aufzutreten.

Musik zu machen war und ist mir kein Bedürfnis. Ich habe es gelernt, wie ich für Schulfächer gelernt habe. Ohne Abneigung, ohne Begeisterung.

Ich kann nicht genau erklären, warum ich mir jetzt das Ukukelespielen beibringe.

Ich halte es für eine gute Geschicklichkeitsübung, die Hand und Hirn koordiniert.

Außerdem sind Ukuleke-Festivals in aller Welt und Ukuleke-Stammtische in ganz Deutschland hübsche Reiseziele, die mich aus meiner allzu komfortablen Heimatstadt zu locken vermögen.

Vielleicht liegt es an meiner Freude an räumlich kleinen Dingen: neben kleinen Falträdern, Ein-Frau-Zelten, winzigen Wohnungen und mit Teelöffeln, statt mit Suppenlöffeln zu essen, finde ich Sopranissimo-Ukulelen unwiderstehlich...