Autor Thema: Neue Klosterukulele "Rotkehlchen" Workshop-Bericht und Ergebnis  (Gelesen 709 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Lagerfeuerklampfer

  • Mitglied
  • Beiträge: 52
Neue Klosterukulele "Rotkehlchen" Workshop-Bericht und Ergebnis
« am: 01/22/21 ,Januar, 2021, 13:28:50 »
Nachdem dieses Forum mit daran Schuld ist, das sich mich auf das Wagnis Selbstbau in einem Workshop von Dirk Jungbluth eingelassen habe, hier jetzt ein längerer Bericht vom Workshop und meinem Ergebnis:
Gestern hat mir der Paketbote ein sehnlichst erwartetes Rotkehlchen gebracht - meine Klosterukulele, die ich mit viel Unterstützung von Dirk Jungbluth, seinem Co-Kursleiter Lothar und einer tollen Gruppe Lern- und Bauwilliger im Oktober gebaut habe. Ich habe mehreren Leute einen ausführlichen Bericht versprochen - vielen mag er zu ausführlich sein, aber die können ja querlesen (oder es ganz lassen 😉 )
Vorweg: Ich bin ganz begeistert! Natürlich bin ich nicht ganz objektiv - aber was soll´s. Zu der Ukulele später mehr.
Erstmal zum Bauworkshop: Auf den Workshop aufmerksam geworden bin ich vor 2 Jahren im Ukuelelenforum. Da mich die Ukulele "an sich" schnell genauso fasziniert hat wie das Musizieren, fand ich die Möglichkeit, selber eine Ukulele unter fachkundiger Anleitung zu bauen, schnell sehr attraktiv. Ich habe mich auch durchaus nach anderen Möglichkeiten umgesehen: Alleine mit Online-Tutorials traute ich das mir nicht zu und ich war auch nicht annähernd mit den notwendigen Werkzeugen ausgestattet. Also habe ich mich zunächst in Köln umgesehen und siehe da: Auch hier wird die Möglichkeit geboten, mit Hilfestellung eines Profis das eigene Instrument zu bauen - zumindest zwei entsprechende Angebot habe ich gefunden. Allerdings hätte das dort wesentlich länger gedauert und wäre deutlich teurer geworden als bei den Kloster-Bauworkshops von Dirk Jungbluth. Nicht, dass ich falsch verstanden werde: Die Preise der anderen Anbieter waren keineswegs unangemessen! Im Gegenteil: Dort wurde sehr transparent und fair kalkuliert! Die positiven Berichte anderer Kursteilnehmenden, die vor allem im Ukulelenforum berichteten, brachten mich zu dem Entschluss, mich zu einem Workshop bei Dirk anzumelden. Bis zum nächsten freien und passenden Termin war noch deutlich über ein Jahr Zeit - eine Ewigkeit (dachte ich)!
Die Zeit konnte ich aber gut nutzen: Welche Form (Sopran, Konzert, Tenor - "normal" oder "jumbo"), Welche Hölzer? Fichtendecke war weitestgehend festgelegt aber Korpus, Hals, Kopfplatte? Wie soll die Kopfplatte gestaltet werden? Alles Fragen mit denen ich mich intensiv beschäftigen konnte und im Vorfeld mit Dirk und Lothar im Kontakt stand.
Der Workshop selber hat meine Erwartungen deutlich übertroffen! Eine sehr lehrreiche und arbeitsintensive Woche (rechnet mal mit einem 10 Stunden-Tag - einmal war es auch deutlich mehr) mit sehr netten Mitstreiterinnen und Mitstreitern und zwei sehr kompetenten, engagierten und "echten" (authentischen) Kursleitern. Klar wurde es auch ab und zu stressig. Die Angst, etwas falsch zu machen und das ganze Projekt von vorneherein oder - noch schlimmer - am Schluss zu ruinieren, war immer mal wieder spürbar, aber in erster Linie war es konzentrierte und befriedigende - ja erfüllende -  Arbeit. Alles mit viel Unterstützung von zwei Profis, die es geschafft haben, jeden und jede nach seinen und ihren Fähigkeiten so viel machen zu lassen, wie möglich und an der ein oder anderen Stelle selber zu übernehmen, wenn nötig.
Unterbrochen wurde diese Tätigkeit vor allem durch die Mahlzeiten in hoher Qualität und Quantität und abgeschlossen wurde der Lern- und Arbeitstag oft durch gemeinsames Musizieren, bei dem Lothar und Dirk sich auch noch als tolle Musiker zeigten.
Am Ende des Workshops zwickte es an der ein oder anderen Stelle, aber innerlich war ich so sehr zur Ruhe gekommen, wie lange vorher und nachher nicht.
Die Ruhe nach dem Workshop wich dann schnell der Spannung, mit der ich auf meine fertige Ukulele gewartet habe. Dirk musste noch einiges in seiner Werkstatt erledigen: Steg befestigen, Stegeinlage und Sattel anpassen, die ein oder andere Macke in den Instrumenten bearbeiten und vor allem: Lackieren!
So - jetzt ist sie da und ich freu mich, dass sie noch schöner geworden ist, als ich dachte. Klar - sie ist nicht perfekt (ich weiß genau, wo ich gucken muss), aber für mich ist das nur der Nachweis, dass ich an der Herstellung beteiligt war und es sich bei diesem Instrument wirklich um Handarbeit handelt. Die Qualität in Bezug auf Bespielbarkeit und Lackierung ist aber deutlich höher als alles, was ich bisher besessen oder bespielt habe (was aber auch ehrlich gesagt nicht so viel heisst - die Preisklasse ab 400 € kenne ich praktisch nicht). Aber auch die Verarbeitung kann trotz meiner Mitarbeit locker mit meinen bisherigen Ukulelen mithalten oder übertrifft diese. Bundrein ist sie und die Intonation stimmt, die Saitenlage ist für mich genau richtig und der Klang auch. Leider kann ich ihn nicht ausreichend beschreiben. Ich versuche es mal: voll, warm, aber nicht dumpf, ordentlich Wumms, wenn gewünscht und reichlich Sustain. Kurz und gut: Meine bisher bestklingende Ukulele! Mein Gitarr spielender Chef meinte: Muss ein tolles Gefühl sien, mit etwas Selnbstgemachten Musik zu machen" Recht hat er! Noch toller ist das gefühl, dass wirklich ein professionelles Instrument dabei herausgekommen ist . natürlich mit reuchlich Vor- und Nacharbeiten ud Hilfestellung eiens echten Profis, aber doch meins!
Hörbeispiele? Kann ich leider nicht liefern. Weder habe ich das notwendige Equipment noch das spielerische Können. Bilder habe ich beigefügt...



Ich kann den Bauworkshop bei Dirk allen weiterempfehlen, die Lust haben, selber auch mit wenig handwerklichen Vorerfahrungen und ohne ausgeprägtes Talent, ein tolles Instrument (mit) zu bauen. Neugier, Lernbereitschaft und Durchaltevermögen sind hilfreich. Die ein oder andere deutlich Ansage solltet Ihr auch vertragen können - hinter der manchmal sehr direkten und ehrlichen Ansprache steht erkennbar stets der Wunsch, dass die Teilnehmenden erfolgreich und zufrieden aus dem Workshop gehen. Das Ergebnis ist dann kein Spielzeug, sondern ein ernstzunehmendes und hochwertiges Instrument.
Für mich war die Woche in Esthal das Highlight des Jahres. Mir hat es so gut gefallen, dass ich mich kurz vor (!) Eintreffen meines Rotkehlchens erneut für einen Bauworkshop angemeldet habe- dieses Mal nur mit einem Vorlauf von 8 Monaten - ich muss mich also ranhalten 🙂
Es hat sich übrigens herausgestellt, dass dem Rotkehlchen meine Lieblingssaiten nicht so gut gefallen: Normalerweise nehme ich für LowG und C immer umsponnene Saiten von Thomastik Infeld. In diesem Fall klingt es aber runder unnd irgendwie "fröhlicher" mit der berühmten Fremont Solost für Low G und einer normalen Fluorcarbon Saite für C. Wird sicher nicht das letzte Experiment sein. Vielleicht probiere ich auch mal wieder eine umunsponnene LowG aus... Saitenwechsel ist übrigens Dank der geringen Übersetzung von 1:4 bei den Tunern und trotz des Strings through Stegs schnell und einfach...

Offline Lucky Uke

  • Mitglied
  • Beiträge: 40
Antw:Neue Klosterukulele "Rotkehlchen" Workshop-Bericht und Ergebnis
« Antwort #1 am: 01/22/21 ,Januar, 2021, 16:37:55 »
Herzlichen Glückwunsch zur tollen Ukulele. Es ist ein wirklich schönes Instrument geworden. Deinen Ausführungen zum Workshop kann ich mich nur anschließen. Es ist ein tolles Erlebnis und zur Nachahmung empfohlen. Ich freue mich auch täglich an meiner Klosterukulele und dem schönen Klang.
Grüße von Torsten
Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse aber nicht genug für jedermanns Gier.